DIE REGISSEURIN SUSANN NEUENFELDT

ÜBER DEN 4.11.89

“Der 4.11.89 ist für mich auch ein theatraler Moment. Ein Theater der Revolution. Ein Stück, das nie geprobt werden durfte. Ein Stück, das abgesetzt war, bevor der Vorhang fiel. 

Ein Stück, in dem der Moment Regie geführt hat, und nicht die SED, nicht die intellektuelle Elite der DDR, nicht die Stasi. Denn es gab Moderator*innen, Organisator*innen und die Leute, die auf die Straße gegangen sind. Die Leute, die gelacht, gebuht, geschrien, geklatscht und gesungen haben. Das war wie im richtigen Theater: ohne Publikum keine Vorstellung, ohne Technikerinnen kein Theater, ohne Assistentinnen keine Regie.

Dieser Moment am 4.11.89, wo die Regien sich zurückziehen mussten, interessiert mich. Diesen Moment will ich aktualisieren und im Heute bewahren. Mit neuen und alten Reden, einer 7-köpfigen Band, überdimensionalem Hall und einer Choreographie der Menge. 

Das Abseitige, noch-nicht-Gesagte, nicht-Erzählbare und das, was bis heute nicht zu begreifen, nicht zu wiederholen ist – das will ich erinnern, spürbar machen. Gedenken will ich auf keinen Fall. 

Gedenken wäre eine Anmaßung. Theater kann nicht wiederholen, und Reenactments sind langweilig wie der Tod.

Mit Theater kann man keine Revolution machen. Der 4.11.89 ist Arbeit. Die nicht abschließbare Arbeit an Geschichten und Geschichte und ihrem Nachhall, ihrem Wiederholungszwang. Diesen Nachhall will ich im Jetzt inszenieren.“

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