4-11-89 Theater der Revolution - Alexanderplatz - 4.11.2019 - 17:30

Gedenken? Gefühlsarbeit! Mit 60 Frauen und einem Punk


"Stoppt die Rechtsextremen" (Plakat am 4. November 1989)

 

Wenn Neofaschisten aus München in Brandenburg die "Wende 2.0" plakatieren, dann wissen wir, dass das Gedenken an den Herbst 1989 keine schöne Angelegenheit sein kann. Keine nationale Selbstversicherung über die Gutheit der deutschen Geschichte ist möglich. Nationales Gedenken ist ein Privileg, und Gedenken streicht die Erinnerung, macht die Gefühle stumm.

 

"Wir brauchen Solidarität statt Privilegien" (Heiner Müller)


"30 Jahre Friedliche Revolution" muss gemeinsame Gefühlsarbeit sein: es muss Trauer der Ostler*innen zulassen, um das verloren gegangene Land, die Perspektiven, die mögliche Zukunft. Alle müssen trauern lernen um den Verlust der basisdemokratischen Aufbruchserfahrung von 1989, und das Scheitern des antifaschistischen Projekts. Alle müssen wütend sein, dass wieder mal keine Antwort gefunden wurde, als noch mehr Ausgrenzung, noch mehr Ausbeutung, noch mehr Rassismus. Übel ist das! Seid sauer, seid traurig! Seid auch gut gelaunt, weil Energie und Träume noch da sind! Damit die Platz haben, brauchen wir Gefühlsräume, die das Theater gibt.


"Also träumen wir mit hellwacher Vernunft" (Christa Wolf)


Die Demonstration vom 4.11.89 auf dem Alexanderplatz war ein kollektives Theater: gebastelte und spaßige Plakate, Pfiffe und Buhrufe, selbstverliebte und inspirierende Reden von Künstler*innen und SEDlern. Es war ein gemeinsames Durchfühlen von 500.000 Menschen auf Einladung der Berliner Theaterschaffenden. Ambivalenz, Glück, Wut, Lügen und Widersprüche: Vieles, längst nicht alles, kam auf dem Tisch bei dieser ersten und letzten offiziellen Demonstration in der DDR. Bevor alles verschwand und der revolutionären Idee einer anderen DDR am 9. November der Rahmen genommen wurde. Damit ging eine andere, mögliche Zukunft verloren.


"Wir haben keine ordentlichen Zeiten" (Gregor Gysi)


Den Gefühlsraum holt Panzerkreuzer Rotkäppchen zurück: am Originalort, mit den Mitteln des Theaters, keine Sekunde zu früh. Neue und alte Reden – Musik und Texte – Aufbruch und Wehmut. PKRK wird 4-11-89 wiederbeleben: Als Theater der Revolution, mit 60 Frauen und einem Punk. 4-11-89 Theater der Revolution erzeugt Sehnsucht nach dem, was war, was hätte sein können, was werden muss. Kommt hin, fühlt mit, macht was!


"Wer etwas tun will, hat viel Auswahl." (Marianne Birthler)​

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